Was ist geschlechtsspezifische Medizin?

Gendermedizin: Was ist das und wozu brauchen wir das?

Diese Fragen werden nicht nur von Nicht-Medizinern sondern auch von Ärzten gestellt. Dies macht klar, dass es an der Zeit ist, diesen Begriff zu definieren. „Sex“ steht für das biologische und „Gender“ für das soziale Geschlecht.
Der Begriff „Gendermedizin“ vereint beides, sie beschäftigt sich aber nicht, wie es oft missverständlich gemeint wird, mit den Sexualorganen in den damit verbundenen Problemen und Krankheiten oder mit Anti-Aging.
Gendermedizin steht vielmehr für die individuellen Bedürfnisse und Anforderungen von Mädchen und Burschen, Frauen und Männern in allen Sparten der Medizin und beginnt mit den unterschiedlichen Zugängen von Frauen und Männern zum Gesundheitssystem, dem ärztlichen Gespräch (wie werde ich vom Arzt bzw. der Ärztin wahrgenommen) bis hin zur Diagnostik und Therapie. Auch gibt es kein eigenes Fach in der Medizin „Gendermedizin“, sondern es ist eine einzigartige Möglichkeit der Interdisziplinarität, d.h. es gibt kaum einen Fachbereich, in dem die Begriffe Sex und Gender nicht von Bedeutung sind – entsprechend dem Zitat „Sex beginnt in der Zelle“ aus dem Buch „Sex-based biology“ – und das spiegelt sich auch in der stetig steigenden Anzahl genderspezifischer wissenschaftlicher Publikationen der verschiedenen Fachbereiche wider.
Gendermedizin stellt also eine interdisziplinäre Herausforderung dar, um den unterschiedlichen Bedürfnissen von Mädchen/Frauen und Buben/Männer während des gesamten Lebenszyklus im medizinischen Umfeld gerecht zu werden. Geschlechtsspezifische Unterschiede bestehen nicht nur im physisch-körperlichen, sondern auch im emotionalen und mentalen Bereich und sind wesentliche Faktoren der medizinischen Behandlung. Von zentraler Bedeutung sind beispielsweise die Wahrnehmung des eigenen Körper- und Rollenbildes, die Wahrnehmung von Gesundheit und Krankheit, von Behinderung und dem Zugang bzw. der Nutzung von Gesundheitseinrichtungen. Die medizinische Wissenschaft ist nun ebenfalls gefordert, den Menschen mit seinem biologischen sowie sozialen Geschlecht ganzheitlich wahrzunehmen und die bis jetzt vernachlässigten Faktoren in den einzelnen medizinischen Fachbereichen zu untersuchen.
Genauso wichtig wie Wissenschaft und Forschung sind aber auch Aufklärung und Ausbildung sowohl der Ärzteschaft als auch der medizinischen Laien, um zu gewährleisten, dass diese neuesten Erkenntnisse auch rasch im klinischen Alltag umgesetzt werden. Aus diesem Grund wurde 2007 die Österreichische Gesellschaft für geschlechtsspezifische Medizin (ÖGGSM) gegründet, die sich interdisziplinär der Erreichung dieser Zielsetzungen widmet (siehe auch www.gendermedizin.at). Die ÖGGSM ist auf internationaler Ebene mit der International Society of Gender Medicine assoziert.

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